hier wird Musik gemacht

Kerb 2018

Ein Hoch auf die Walldorfer Kerb!

Nach einer verkürzten „Notfall-Kerb“ im Jahr 2017 konnten die Walldorfer Kerweborsch zusammen mit den „Buschspatzen“ und der „Flying Dragon Bar“ dieses Jahr den Walldorfern wieder ein buntes Kerwewochenende anbieten. Die Ehrenamtlichen hatten ein vielseitiges Programm zusammengestellt.

Immer am vierten Wochenende im Oktober heißt es in Walldorf: „Wem is die Kerb? – Unser!“ Der Samstag mit der Aufstellung des Kerwebaums, der Kerweredd und dem von beiden großen christlichen Kirchen erteilten Kerwesegen ist hierbei stets besonders wichtig. Jochen Mühl, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Walldorf, erinnerte an die historische Bedeutung der Kerb: „Kerb – das ist seinem Ursprung nach ja Kirchweih. Wir feiern, dass Gott unter uns sein Haus gebaut hat; dass uns Gott im Alltag und im Feiern nahe ist.“

Pfarrer Paul Nieder von der katholischen Pfarrgemeinde Christkönig in Walldorf bat in einfühlsamen Worten um Empathie: „Wir beten für alle, denen in diesen Tagen nicht nach Feiern zumute ist: weil sie in einer schwierigen Lebenslage sind, weil ihre Gesundheit beeinträchtigt ist oder weil sie einen lieben Menschen verloren haben.“

Kerwevadder Maurice Coutandin hielt vor dem zuvor am Walldorfer Festplatz aufgestellten Kerwebaum eine fröhliche Kerweredd in Reimform: „Ihr liewe Leit, was iss dann heit, wann die Kerwevadder uff die Laader stei’t? Ei Kerb iss heit, ihre liewe Leit! Jed’ Jahr wenn’s uff de vierte Sonndaach im Oktober geht, in Walldorf de Geist der Kerb eiweht.“ Der Termin hat sich eingebürgert. Er ist jedoch mit Nachteilen behaftet. So ist das Wetter Ende Oktober, so auch am vergangenen Wochenende, meistens eher unfreundlich. Zudem sitzt am Monatsende bei vielen das Geld nicht mehr so locker. Weiterhin ist es nachteilig, dass die Walldorfer Kerb als letzte im Landkreis Groß-Gerau und nur eine Woche nach der großen Kerb in Mörfelden stattfindet. Diese ist seit 1998, als sie vom Festplatz in Mörfelden in die Ortsmitte an den Dalles verlegt wurde, wieder zu einem großen Erfolg und beliebten Anziehungspunkt in Mörfelden und darüber hinaus geworden.

Die Walldorfer Kollegen trotzten den für sie ungünstigen Faktoren und stellten dieses Jahr trotz finanziell begrenzter Mittel mit der Hilfe von Sponsoren gemeinsam mit dem „1. Carneval Club Walldorf – Die Buschspatzen“ von der Sport- und Kulturgemeinde (SKG) Walldorf und der „Flying Dragon Bar“, ein vielseitiges Programm über fünf Tage auf die Beine. Das war eine deutliche Veränderung zu 2017, als nur eine verkürzte „Notfall-Kerb“ angeboten werden konnte.

Bereits am Freitagabend hatte DJ Mike in der SKG Halle dem Publikum eingeheizt. Einen Abend später brachte bei der „KerweNight!“ Alan Best mit seiner Band „Four for you“ die Gäste mit flotten Rhythmen zum Tanzen.

Während am Sonntag der traditionelle Kerwegottesdienst sowie der Kerwefrühschoppen anstand, der vom Akkordeon Club Walldorf und dem „Shanty-Chor“ des Dreieich Segel Club Langen schwungvoll musikalisch begleitet wurde, so gibt es am Montag die große Tour durch die Kneipen.

Mit der gestrigen „Best of 80er und 90er Party“ mit DJ Tony.P in der SKG Halle und dem heutigen „Familientag“ auf dem Walldorfer Festplatz findet die Kerb ihren Abschluss. Auf dem Festplatz sind zahlreiche Fahrgeschäfte, Spiele, ein Schützenhaus sowie Verkaufs-, Essens- und Getränkestände aufgebaut.

Auf das Problem, Nachwuchs und genügend ehrenamtliche Helfer für die Kerb zu finden, ging auch der Kerwevadder in seiner Kerweredd ein: „Aach fehle Mädscher und Borsche, der Nachwuchs macht uns große Sorsche.“

Auch das Thema Feuerwehr sowie die Bürgermeisterwahl 2019 wurden von Coutandin aufgegriffen. Der Kerwevadder erwähnte hierbei, dass mit Karsten Groß ein ehemaliger Walldorfer Kerwevadder zur Wahl stehen wird. Neben der lokalen Politik behandelte Coutandin auch die Bundespolitik sowie die Landtagswahl: „Bitte, Finger weg vun dene Braune, verderwe es Land, unn die Leit, unn die Laune!“

Die Laune ließen sich die Walldorfer Kerweborsch von niemand verderben, aber sie und alle ehrenamtlichen Helfer haben einen Wunsch für 2019: „Das diesjährige Programm wurde von der Walldorfer Bevölkerung angenommen, aber wir würden uns für nächstes Jahr über noch mehr Resonanz freuen“, so Sebastian Goll, Erster Vorsitzender des Walldorfer Kerwevereins.

Für die Kerwepartys hätte man sich mehr Resonanz gewünscht Mörfelden-Walldorf (seb).

Fünf Tage wurde die Walldorfer Kerb mit einem großen Programm aus Partys, Livemusik und Frühschoppen gefeiert. Den größten Andrang erlebte man am Samstag, als der Kerweverein zum traditionellen Baumstellen eingeladen hatte. Zahlreiche Schaulustige erwarteten die Kerweborsch und Mädels am Festplatz.

Mit vereinten Kräften musste der Baum erst vom Wagen und dann in Position gebracht werden. Tatkräftige Unterstützung kam von der Walldorfer Feuerwehr, bei deren Gerätehaus der Baum zuvor mit roten und weißen Bändern geschmückt wurde. Als es schließlich daran ging, den Kerwebaum aufzurichten, packten weitere Helfer an den Seilen mit an.

Als der gemeinsame Kraftakt geschafft war, begab sich auch schon Kerwevadder Maurice Coutandin auf die Leiter. Im Frack und mit Zylinder auf dem Kopf holte er zum Rundumschlag aus, kam auf die Fußballweltmeisterschaft in Russland und die große Koalition in Berlin zu sprechen. Nicht fehlen durften Themen aus dem Ort, über die jeder spricht und zu denen wohl jeder eine Meinung hat. Am Bürgerentscheid zur Feuerwehr und der Bürgermeisterwahl im März führte so in der Kerweredd’ kein Weg vorbei.

Der Kommunalpolitik gedachte die Kerwegesellschaft außerdem mit ihrer Kerwebobb, die diesmal als Jutesack daher kam. „Stadtparlament“ war auf dem Sack zu lesen, den ein Hammer malträtierte. Zum Abschluss sprachen die Pfarrer Jochen Mühl und Paul Nieder den Kerwesegen, dann strömten die Schaulustigen auf den Platz, wo der Duft von gebrannten Mandeln in der Luft lag.

Gefeiert wurde aber nicht nur auf dem Volksfest mit seinen Fahrgeschäften, Spielbuden und Essensständen. Von Freitag bis Montag hatten Kerweverein, Flying Dragon Bar und allen voran die Buschspatzen ein Programm organisiert. Partys, Livemusik und Frühschoppen standen in der SKGHalle an. Allerdings zeigte sich, dass die Walldorfer Kerb längst nicht mehr so stark im Ort verankert ist.

Über die letzten Jahre wurde es immer schwieriger, die Tradition am Leben zu erhalten. Auf den letzten Drücker organisierte man 2017 gemeinsam mit den Buschspatzen eine Notkerb.

Das Heimatfest soll weiter hochgehalten werden, und so steckte man in den letzten Wochen und Monaten viel Herzblut und Engagement in seine Wiederbelebung. Mit mäßigem Erfolg, wie vor allem die Party am Freitag zeigte. Entsprechend enttäuscht waren Denise Drewes von den Buschspatzen und der Kerwevereinsvorsitzende von der Resonanz.

„Wir haben diesmal wieder bei Null angefangen“, meinte Sebastian Goll. Daher gehe man mit einer langfristigen Perspektive an die Sache heran und lasse sich nicht entmutigen. Die Stimmung unter den neuen Kerweborsch und Mädels sei gut, schon jetzt gebe es weitere Interessenten für 2019. Dann wolle man mit neuen Ideen frischen Wind in die Kerb bringen und die Party gemeinsam attraktiver gestalten, sagte Goll.

Ein Problem werden die Aktiven dabei nur schwer lösen können. Durch Hitze, Trockenheit und den letzten großen Sturm rechnet Walter Klement vom Kerweverein nicht damit, dass weiterhin ein traditioneller Baum geschlagen werden kann. Viele Fichten seien extrem spröde geworden, ihre Kronen abgestorben.

Schon diesmal habe man lange nach einem passenden Baum gesucht. Und den bewachte dann Davud Thiel bis spät in die Nacht. Nachdem der Kerwebaum vor zwei Jahren bei einer nächtlichen Aktion umgesägt wurde, wollte man auf Nummer sicher gehen.

Wie es grundsätzlich mit der Kerb weitergeht, will der Kerweverein bei einer Mitgliederversammlung in den nächsten Wochen besprechen, kündigte der Vorsitzende an. Dabei hofft er auch auf die Unterstützung der Altkerweborsch, damit das Traditionsfest wieder größer gefeiert werden kann.